Tipp der Redaktion

Schulvertrag

Ein Versprechen, sich an die Regeln zu halten

18.03.2008 Klaus Martin Höfer

Mit feierlichen gegenseitigen Versprechen regeln Schüler ihren Alltag, zum Beispiel in einer Berliner Hauptschule.

Die ersten Wochen im neuen Schuljahr sind besonders anstrengend. Denn Lee, Martin, Jenny und die anderen Klassensprecher der Berliner Werner-Stephan-Schule haben eine besondere Aufgabe: Sie entwerfen einen Vertrag. Darin stehen Regeln für das Schulleben in diesem Schuljahr. „Versprechen an die Schulgemeinschaft“ steht über dem Vertrag.

Streit, Ladendiebstähle und Störungen

350 Schülerinnen und Schüler gehen in die Schule im Stadtteil Tempelhof. Sie kommen aus mehr als 20 Ländern. Früher hat es viel Streit und Ärger gegeben. Auf dem Schulhof und im Treppenhaus stritt man sich. Aus Geschäften in der Nachbarschaft verschwanden Schokoriegel. Ständig klingelte irgendwo ein Handy. Die Schulverträge sollen das ändern.

Viele Gespräche

„Erst diskutieren wir, was wir aus alten Verträgen übernehmen“, sagt die16-jährige Lee, die in die neunte Klasse geht, „dann überlegen wir, was wir ändern wollen.“ Ganz am Anfang war das „Schulversprechen“ voll mit Verboten. Du darfst dies nicht, du darfst das nicht. Das fanden alle daneben - es klang zu sehr nach Einschüchterung. Jetzt sucht man nach positiven Formulierungen.

Keinen Streit anfangen - das ist versprochen

"Ich respektiere meine Mitschüler, egal welcher Nationalität sie sind“ oder „Ich fange keinen Streit an“, heißt es beispielsweise. Orcan, 16 Jahre, findet den letzten Punkt besonders wichtig. Streit fängt oft bei kleinen Dingen an, hat er erfahren. Dann gehen die Leute mit Fäusten aufeinander los. „Besonders, wenn die Familie beleidigt wird“, sagt Orcan. Auch Jenny, 16 Jahre, kennt diese Situation: „Das fängt meist ganz harmlos an, und dann wird man mit schlimmen Schimpfwörtern beleidigt.“ Lee ergänzt: „Das geht hin und her wie bei einem Pingpong-Spiel.“ Der Schulvertrag soll dem vorbeugen und den Schülern helfen, bereits die harmlosen Anfänge zu erkennen und dann die Notbremse zu ziehen.

Angst, die Versprechen nicht zu halten

Die Klassen diskutieren den Entwurf des Schulversprechens und können ihn noch ändern. „Ich verspreche mich zu bemühen, diese Regeln einzuhalten“, heißt der letzte Satz. „Mit Absicht“, erklärt Lee, „viele Schüler haben Angst, die Versprechen nicht zu schaffen. Trotzdem wollen sie sich ehrlich bemühen.“ Schüler, die sich nicht an die Regeln halten, müssen zu einem Gespräch. Erst mit den Klassensprechern, dann mit den Vetrauenslehrern. Ab und zu gibt es eine Strafe, Müll aufsammeln zum Beispiel.

Polizei oder Vertrauensleute?

„Wir Klassensprecher sind so eine Art Polizei. Wir achten darauf, dass die Versprechen eingehalten werden“, meint Martin, 15. „Quatsch, wir sind keine Polizei, wir sind Vertrauensleute für die anderen“, protestiert Orcan. Die Versprechen gelten auch nach der Schule, doch dort fehlt die Kontrolle. „Es kommt eben nicht jeder mit jedem aus“, entschuldigt sich Byron, 16 Jahre alt. „Während der Schule beherrsche ich mich. Danach kann es schon mal zu Streit kommen.“

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